Als vor noch nicht mal ganz sechs Wochen mein Interview einschickte und völlig eingeschüchtert darauf wartete, es ausgeschrieben zu sehen, wusste ich noch nicht, WIE sehr sich mein Leben durch das Schreiben über meine Neigung verändern würde... Mein einziger Gedanke war: „Du bist völlig verrückt, so etwas kannst du doch nicht ins Internet setzen.“ Als das Interview veröffentlicht war, traute ich mich überhaupt nicht, den Link anzuklicken, und als ich das Ganze dann geschrieben vor mir sah, so unabänderlich, so ENDGÜLTIG, bekam ich wahnsinnige Panik... Am liebsten hätte ich eine Email geschickt, mit der Bitte, das Schreiben umgehend wieder zu entfernen, aber das traute ich mich glücklicherweise nicht. Ich war mir völlig sicher, dass jeder auf den ersten Blick erkennen muss, um wen es sich da handelt. Aber es war wie eine Sucht: noch am selben Abend setzte ich mich an Teil 2 des Interviews und mir wurde klar, dass ich endlich das Ventil gefunden habe, dass ich schon so lange suche! Keine zwei Wochen später hatte ich meinen Blog und obwohl ich anfangs sehr skeptisch war, ob ich über dieses Thema überhaupt offen schreiben kann, flossen die Texte zeitweise nur so aus der Tastatur... Und mit welchem persönlichen Ergebnis! Nicht nur, dass ich mich zum ersten Mal im Leben traue, meine Wünsche zu äußern, ohne Angst zu haben, abgewiesen oder als komisch abgestempelt zu werden; ich habe es auch wirklich geschafft, mich vor Freunden zu outen, die mit BDSM gar nichts am Hut haben. Die Gespräche über dieses Thema und den neuen Grad an Offenheit, den ich dadurch meiner Umwelt gegenüber erreicht habe, möchte ich um nichts in der Welt missen! Was ich aber noch schöner finde, ist, dass ich diese Offenheit auch in meine Beziehung übernehmen konnte. Wir haben uns durch die Beschäftigung mit meinen Wünsche ein ganzes Stück weit besser kennengelernt; ich habe festgestellt, dass ich ihn in mancherlei Hinsicht falsch eingeschätzt habe und viel mehr Vertrauen in ihn und sein Urteilsvermögen hätte setzen können... Auf jeden Fall haben wir so viel über unsere Wünsche und Vorstellungen gesprochen wie schon lange nicht mehr und ich bin mittlerweile wirklich überzeugt davon, dass unsere Verbindung tragfähig genug ist, um Experimente unbeschadet zu überstehen.

Aber all das ist für mich erst der Anfang. Die Tür ist aufgestoßen, was dahinter wartet noch größtenteils ungewiss. Was ich bisher gesehen, gespürt habe sind nur Ausschnitte, Teile des Ganzen. Ich bin mehr als gespannt auf den neuen Weg, der da vor mir liegt und bedanke mich schon jetzt bei allen, die mich auf diesem Weg begleitet haben bzw. noch begleiten werden - sei es als Leser oder Teilnehmer meiner Geschichte:-)

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