Von der Schwierigkeit des Suchens und Findens...
nachdem ich ewig hin und her überlegt habe, wie ich mit dem Thema BDSM und Beziehung umgehen möchte, habe ich jetzt beschlossen, es wirklich zu wagen. Ich möchte einfach sehr gerne erleben, wie sich BDSM mit jemandem anfühlt, der in dieser Hinsicht auf meiner Wellenlänge schwimmt.... Ich verspreche mir davon mehrere Vorteile. Zum einen spüre ich immer mehr, wie viel Druck von meiner Beziehung abfällt, seit ich nicht mehr erwarte, dass er mir in dieser Hinsicht voll und ganz genügen muss. Ich kann mich in allen Bereichen wieder voll und ganz auf ihn einlassen, meine Verzweiflung ist weniger geworden. Und ich liebe ihn wirklich zu sehr, um ihm meine Unzufriedenheit dauerhaft zumuten zu wollen. Das nächste ist, dass ich insgeheim immer noch hoffe, dass meine Wünsche nur vorübergehender Natur sind. Ich kenne mich. Solange ich es nicht ausprobiert habe, werde ich keine Ruhe finden. Und auch wenn die Chance extrem gering ist – vielleicht merke ich ja nach dem Ausprobieren, dass solche Experimente nichts für mich sind (haha! Netter Versuch. Dann wäre ich nicht ich ;-)
Soweit die schöne Theorie. Die harte Realtität sieht so aus: das, was ich suche, wächst mit ziemlicher Sicherheit nicht auf Bäumen. Das liegt nicht nur daran, dass ich zur anspruchsvollen Sorte Frau gehöre, sondern auch einfach daran, dass es von den Neigungen her wirklich extrem gut passen muss – sonst kann ich es auch gleich lassen und so weitermachen wie bisher. Was für mich aber persönlich das Schwierigste ist: mein Bauchgefühl muss stimmen. Und das ist richtig heikel...
Man muss es einfach so sagen: die einzige Quelle, auf die ich mich beziehen kann, ist das Internet, denn die hausinterne Vorgabe lautet „weiter weg“. Und mit Verlaub, sich mit einem Mann zu treffen, den man im Netz kennengelernt hat kann unter den falschen Voraussetzungen so sicher sein, wie ohne Seil den Mount Everest besteigen zu wollen. Ich bin ein sehr sicherheitsliebender Mensch (deswegen wahrscheinlich auch devot) und finde den Gedanken, zu einem fremden Mann in sein Auto zu steigen, mit ihm in eine fremde Wohnung zu fahren und mich dann mich wie ein Lamm gefesselt auf die Schlachtbank zu legen mehr als beängstigend. Und da tröstet mich auch der Gedanke nicht, dass ja irgendwo viele Kilometer weit weg jemand weiß, wo ich bin – in diesem Moment bin ich allein und verunsichert. Diese (aus meiner Sicht durchaus gesunde!) Verunsicherung gilt es, zu beruhigen und das funktioniert nur durch ein gutes Bauchgefühl. Wenn das nicht stimmt, kann die äußere Situation so ansprechend sein wie sie will – ich würde flüchten, auch wenn nichts auf eine reale Gefahr hindeutet.
Erschwerend kommt noch hinzu, dass meine Veranlagung für mich nach wie vor etwas sehr Privates ist. Ich habe erst vor kurzem angefangen, mich in winzigstem Kreis offen dazu zu bekennen und bin sicher längst nicht an dem Punkt angekommen, an dem ich meinen Steckbrief mit Foto ins Netz stelle (Ob ich das jemals werde ist mehr als fraglich). Deshalb bin ich auf gewisse Weise darauf angewiesen, dass man(n) sensibel mit meiner Offenheit umgeht. Einschlägige Chats und Foren können mich bisher noch nicht wirklich reizen, zu offensichtlich ist es, was dort gesucht wird. Und eine Begrüßung álà „Hey, was soll ich mit dir anstellen?“ ist mir einfach zu direkt, das regt bei mir regelrecht den X-Reflex (klicke das X in der oberen rechten Ecke des Bildschirmes) an. Ich merke, ich bin schwierig. Aber hier geht es um mein Wohlbefinden und meine Sicherheit – das sollte es mir wirklich wert sein, genauer hinzusehen anstatt mich von Blendern täuschen zu lassen.
Auf den Punkt gebracht: diese beiden Punkte machen mir WIRKLICH Angst. Denn auch wenn ich es mir wirklich sehr wünsche, wie soll ich es bitte anstellen in kürzester Zeit zu jemandem, den ich überhaupt nicht kenne, genügend Vertrauen aufzubauen um mich ihm völlig hilflos auszuliefern? Dazu wäre viel Zeit nötig – und ein Dom, der bereit wäre, sich diese zu nehmen und im Vorfeld etwas zu investieren bevor er etwas dafür zurückbekommt. Und dann soll er mir Sicherheit vermitteln und meine Bedenken zerstreuen, aber gleichzeitig sollte noch soviel Distanz vorhanden sein, dass sich keiner von beiden verliebt... Seien wir mal ehrlich, ich denke für viele, die nur nach einer einfachen, unkomplizierten Spielbeziehung suchen wäre das zu kompliziert, zu umständlich. Es laufen ja auch genügend andere herum die da weniger „rumzicken“...
Wenn ich mir das so durchlese, bekomme ich immer mehr das Gefühl, dass es sehr schwierig sein wird, den Schritt von der Fantasie in die Realität zu wagen. Trotzdem oder vielleicht auch gerade deswegen bin ich nicht bereit, Abstriche zu machen. Dafür bin ich mir einfach zu wichtig und ein Mensch, der es wert ist, mit mir zu spielen muss die Größe besitzen, mich mit diesen Ansprüchen zu respektieren.
Bleibt also immer noch die Frage: wo finde ich einen solchen Spielpartner und vor allem, wo suche ich? Die Antwort ist für mich ganz simpel: Gar nicht.
Es ist wie mit den Schlüsseln: wenn man sie wie besessen sucht, findet man sie garantiert nicht. Und so ist es auch mit Menschen aller Art. Wenn man sich auf Biegen und Brechen eine Beziehung wünscht, bleibt man Single. Wenn man verzweifelt echte Freunde sucht, wird die Erwartungshaltung zum Scheitern führen. Deswegen werde ich es genauso machen wie damals, als ich meinen Mann kennenlernte. ich werde in Bezug auf meine Person und meine Wünsche ehrlich sein, mich zurücklehnen – und mich finden lassen. Der Rest wird sich zeigen.
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