Je intensiver ich mich mit BDSM beschäftige, desto öfter stolpere ich über das Wort „Prägung“. Dass der erste Dom eine Sub prägt und ihr quasi seinen Stempel aufdrückt. Mir fällt auf, dass, wenn ich nach diesen Gesichtspunkten gehe, nie wirklich eine Prägung erfahren habe. Genau genommen habe ich in letzter Zeit immer öfter das Gefühl, dass das, was ich bisher erlebt habe, ziemlich an der Oberfläche kratzt, zumindest was DS betrifft... Ich hatte einfach noch nie einen Dom, der auf Konsequenz und seinen Herrschaftsanspruch Wert gelegt hat – es ging fast immer um körperliche Überlegenheit, im Zweifelsfall mithilfe von Seilen und Knebeln. Die meisten Sessions blieben was das Emotionale betrifft doch sehr oberflächlich. Meine ersten Spiel-Erfahrungen innerhalb einer mehrjährigen Beziehung gingen sehr stark auf „Spielzeug ausprobieren“ - der Mann hatte ein Faible für Knoten, Fesselungen und Spielzeug jeglicher Art. In der Hinsicht habe ich deshalb schon recht viel mit mir machen lassen, auch wenn ich viele seiner Fetische nicht wirklich nachvollziehen konnte. Erziehungsspiele waren nicht so seines, wenn ich bewegungslos war, hatte er die Macht über mich – so einfach war das für ihn. Er war sehr auf die Seile angewiesen und als ich ihm am Ende aus einer diffusen Angst heraus das Fesseln verweigern musste (ich hatte von heute auf morgen plötzlich furchtbaren Horror davor, ihm körperlich ausgeliefert zu sein) ging bei ihm gar nichts mehr. Wahrscheinlich lag es daran, dass er selbst eigentlich devot war und ich regelmäßig switchte. Bei ihm funktionierte das mit dem Switchen nur am Anfang, spätestens als das Fesseln wegfiel drückte er sich um die dominante Rolle, wo er nur konnte. Im Nachhinein würde ich sagen, dass ich diejenige war, die ihn in seiner devoten Rolle sehr geprägt hat, umgekehrt kann ich das weniger behaupten...  Als die Beziehung zu Ende war gaben kleinere Affären zwischendrin nicht so die Zeit her, echtes Vertrauen in jemanden zu entwickeln. Es blieb bei „soften“ Bondagespielchen und Festhalten; mit „wirklichem“ BDSM hatte das nicht allzuviel zu tun. In meiner jetzigen Beziehung befindet sich das alles gerade schwer im Umbau, aber bisher hatten unsere „Spiele“ nie einen roten Faden und schon keine Konsequenz... Was heute richtig war konnte morgen falsch sein, viele Strafen wurden vergessen oder nur halbherzig durchgeführt... Jedes Mal ist anders, auch, weil mein Partner sehr gern mit Unsicherheit spielt; ich im Gegensatz dazu suche aber gerade Konsequenz, die Sicherheit. Eines ist jedoch auch hier ähnlich – die körperliche Überlegenheit schafft (meistens) die Machtbasis.

Fazit: Genau den Bereich, der mir im BDSM so wichtig ist, nämlich das Machtspiel, die gezielte und konsequente Erziehung, habe ich eigentlich nie richtig erlebt. Und weil das für mich schon so der Kerngedanke „meines“ BDSM ist, wundert es mich auch nicht mehr, dass ich unzufrieden bin. Praktisch gesehen bin ich wirklich Anfängerin. Und die Tatsache, dass ich in meiner im Endeffekt diejenige bin, von der gefordert wird, dass sie ihre Wünsche so präsentiert, dass man daraus etwas machen kann, womit ich leben kann macht es nicht leichter... Das riecht gerade schon wieder ganz schwer nach Wunschzettel.

Ich denke eben, dass der Anspruch und der Wunsch, einer Sub den eigenen Stempel aufzudrücken und sie sich zu Eigen zu machen von Dom kommen muss. Vielleicht verlange ich da zu viel, aber ich kann doch niemandem einen Wunsch nach psychischer Überlegenheit einpflanzen, wenn ihm körperliche Macht und das Gefühl, der Stärkere zu sein genügen? Wenn ich mit den Bedürfnissen meines Gegenübers schon nicht glücklich werde – kann ich ihm dann aufdrücken, seinen „Stil“ zu ändern und sich auf mich einzustellen (vor allem ohne dann dabei das Gefühl zu haben, die eigentlich Tonangebende zu sein?) Und wie bekomme ich das bitte hin, ohne dass es auch noch im Alltag das Knarzen anfängt?

Ich glaube wirklich, ich fange langsam an zu verstehen, warum BDSM und Treue so schwierig zusammenpassen...

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