Heute ist etwas passiert, worauf ich insgeheim schon länger gewartet habe. Es gab einen Absturz, den ersten seit ziemlich langer Zeit. Nur bin ich dieses Mal nicht allein in den Abgrund gerauscht sondern habe dich gleich mit hinein gerissen...

Es war wieder das gleiche Problem wie die letzten Male. Ich komme einfach nicht hinein in dein Spiel. Und so langsam beginne ich zu verstehen, WIE wichtig Authentizität für mich ist. Ich spüre deine Zweifel  - ich kann regelrecht hören, wie du dich innerlich abfragst, ob du mir das jetzt nach dem Stress auf der Arbeit zumuten kannst, ob es mir gut geht, ob mein Gejammer nun ernst ist oder doch nur Spiel... Ich spüre deinen Konflikt, wenn ich aufbegehre, fühle deine tiefe Liebe zu mir, die diesem Moment in so starkem Kontrast zu deinem Handeln steht. Vielleicht rede ich mir das auch alles nur ein; aber es ist irgendwie grotesk vor einem Mann zu knien, der mir im Alltag ohne mit der Wimper zu zucken jeden Wunsch, jedes Bedürfnis von den Augen abliest. Und wenn mir dann solche Gedanken durch den Kopf gehen, finde ich ihn plötzlich– den Fehler im Bild. Das Zögern deiner Hand, das leichte Zittern in deiner Stimme. Du nimmst dich zurück – aus Rücksicht auf mich. Und je mehr ich versuche, dich mit Widerstand aus der Reserve zu locken, desto mehr ziehst du dich zurück. Es ist fast schon ein Zwang, ich muss mich sehr beherrschen, nicht loszuschreien – doch gerade in letzter Zeit fehlt mir diese Selbstbeherrschung ganz und gar. Zu stark ist mittlerweile meine Sehnsucht, nicht ständig aufpassen zu müssen, mich einfach fallen lassen zu können, die Grenzen zu spüren und mich ganz und gar zu ergeben, zu unterwerfen. Also tue ich aus einem seltsamen Wutgefühl heraus das, was ich insgeheim wie die Pest verachte – ich provoziere, manipuliere auf' Schärfste – kurz – ich zeige DIR deine Grenzen auf. Ich verwende deine Gefühle für mich gegen dich und stehe selbst daneben und schaue mir fassungslos dabei zu. Du hast es schon richtig bemerkt – es geht nicht um das, was du tust – egal wie du handelst, im Moment würde es nicht viel Unterschied machen... Das ist das Schlimme an der Sache. Denn es geht mir nicht um die Handlung, die du an mir vornimmst sondern um die Integrität, die dir in diesem Moment abhanden kommt. Wir befinden uns gerade in einem bösen Teufelskreis: du hast Skrupel weil du merkst, dass es mir nicht gut geht und mir so gerne alles geben willst, wonach ich mich sehne– und mir geht es nicht gut, weil ich mich so nach etwas sehne, was du mir gerade nicht geben kannst – denn je mehr du verzweifelt versuchst, es mir zu geben, desto weniger kommt (im Spiel!) bei mir an, weil deine Authentizität und damit auch deine Autorität unter deiner Ratlosigkeit leiden. Die Liebe, die uns im Alltag so stark verbindet, steht uns im Spiel gnadenlos im Weg, zumindest kommt es mir manchmal so vor.

Ich weiß, dass das nicht das einzige Problem ist. Ich bin keine Freundin vieler Worte in einer Session; zum Einen möchte ich nicht, dass du stur meine Wünsche erfüllst, ohne selbst dahinter zu stehen. Zum Anderen fällt es mir immer noch ziemlich schwer, offen über meine Bedürfnisse zu sprechen. Vielmehr kommuniziere ich viel über Signale, die du aber, wie es aussieht, leider nicht verstehst. Wenn ich Widerstand an den Tag lege, um dich zu mehr Reaktion zu bewegen, wirst du unsicher, weil du denkst, dass ich es jetzt ernst meine; du willst mich beschützen, weil du Angst hast, dass ich aus Sturheit das Safeword nicht sage. Aber wenn du in der Session zweifelst und unsicher bist... dann werde ich es auch. Und so devot ich auch sein mag – ich bin durchaus in der Lage, auf mich und meine Gefühle zu achten, denn ich lege die erwachsene Frau nicht mit meiner Kleidung am Eingang des Schlafzimmers ab.

Vielleicht ist es an der Zeit, den Reset-Knopf zu drücken und noch einmal ganz von vorne anzufangen.

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