Liebe ist etwas wunderschönes... Sich zu jemandem hingezogen fühlen, ihn zu begehren, zu wissen, dass man immer einen sicheren Hafen hat, den Wunsch, dem anderen ebenfalls eine Heimat sein zu wollen – dieses Gefühl ist wirklich einzigartig und durch nichts zu ersetzen. Es gibt wohl keinen Menschen, der sich nicht danach sehnt, zu jemandem zu gehören...

Es gibt in meinem Leben wirklich keinen glücklicheren Tag als den, an dem ich meinem Mann zum ersten Mal bewusst begegnet bin... Ich habe mit ihm in wirklich absolut jeder Hinsicht den Glücksgriff gezogen – im Gegensatz zu vielen Männern heutzutage ist er wirklich angstfrei in der Lage, sich auf eine Beziehung einzulassen. Er ist pflegeleicht, kocht mit mir, kommuniziert im Gegensatz zu vielen seiner Geschlechtsgenossen sehr gern (sogar mit mir;-) und schaut keinen Fußball. Wir mögen die gleichen Filme und Bücher und haben generell ähnliche Interessen. Die Tage, die wir in den letzten Jahren getrennt verbracht haben, lassen sich an einer Hand abzählen – und das obwohl keiner von uns beiden eifersüchtig ist oder klammert. Man kann einfach sagen, es passt bei uns – auf wirklich jeder Ebene... Aber lustigerweise liegt da für mich manchmal genau das Problem: Es passt... manchmal ZU perfekt. Im Alltag und auch beim „normalen“ Sex ist diese Übereinstimmung einfach nur traumhaft. Im Spiel ist es manchmal sehr stressig für mich. Ich kenne ihn einfach zu gut – und er mich. Man könnte meinen, dass das einen Vorteil darstellt, aber in letzter Zeit sieht es immer mehr so aus, dass die Nachteile für das Spiel überwiegen. Zum einen ist es wirklich so, dass ich recht genau weiß, welche Hebel ich bewegen kann, um bestimmte Reaktionen hervorzurufen. Nun gut, wir arbeiten ja auch gemeinsam an gewissen Sachen und da ist er schon recht gut hinterher, das abzustellen. Was mich persönlich aber viel mehr belastet, ist die Tatsache, dass das mit Nähe und Distanz bei uns nicht wirklich klappt! Und ich würde mal sagen, das liegt hauptsächlich an mir. Es fällt mir einfach oft sehr schwer, den Mann vom Dom zu trennen – daher kommt es oft vor, dass ich entweder die Situation  nicht richtig ernst nehmen (und mich nicht richtig fallen lassen) kann oder einfach Situationen vermeiden muss, in denen ich aus Erfahrung weiß, dass er inkonsequent mit mir umgehen wird... da reagiere ich nämlich sehr empfindlich! Dann ist es auch noch oft genug so, dass die richtige Stimmung nicht aufkommen will, weil die starke Vertrautheit und der gemeinsame Alltag im Hinterkopf echte Spannung erst gar nicht zulässt. Was noch schlimmer ist – wenn er mich dann doch mal konsequent auf Distanz hält, fühle ich mich oft nicht nur als Sub sondern auch als Frau „weggestoßen“. Das Gefühl, das dabei entsteht, passt für mich nicht so recht in mein Weltbild, hat für mich in unserer Beziehung einfach nichts zu suchen! Ich persönlich finde es recht schade, dass solche Probleme auftauchen, weil die starke Übereinstimmung zwischen uns auch sehr schöne Momente entstehen lässt und durchaus auch schon die ein oder andere sehr intensive Session hervorgebracht hat. Eine Beziehung ist eben nicht nur Spaß und leichtes Leben zu zweit – da steckt im Idealfall  auch einiges an Kommunikation und Arbeit drin. Deshalb erscheint mir wohl manchmal ein Spiel mit jemandem, der mir  im Alltag nicht so nahe steht, wirklich reizvoll weil einfacher, unbelasteter. Wenn die Basis stimmt, kann man sich voll und ganz auf das Machtgefälle einlassen, ohne sich Gedanken darüber zu machen, ob in die Bestrafung da jetzt auch noch Ärger über den vergessenen Termin oder das kaputte Auto miteinfließt. Ich denke auch, dass durch diesen „Wechsel“ ein gewisser Abstand zum Alltag entsteht und das Abschalten im Kopf leichter wird... Außerdem muss ich es zugeben – ich liebe einfach neue Erfahrungen und bin sehr anfällig für Reize. Allerdings, je mehr ich über das Thema nachdenke, desto deutlicher werden mir auch die Gefahren einer solchen „Affäre“ bewusst. Denn eine Spielbeziehung bietet einem nun mal vorrangig einen (hoffentlich!) stressfreien Rahmen, in dem überwiegend schöne Erfahrungen gemacht werden... Vor einem solchen Hintergrund kann es sicher schnell passieren, dass der Alltag (und damit auch der vertraute Partner!) noch grauer aussieht, als es ansonsten der Fall wäre, während die Spielerfahrung idealisiert wird. Und wenn man im Kopf die ganze Zeit abwesend ist, weil man noch immer von dem tollen Spielwochenende träumt, ist es natürlich sehr schwer, die erforderliche Energie aufzubringen um denselben schön zu gestalten. Wer darunter leiden wird, ist unschwer zu erkennen. Im Endeffekt wird es der Partner wahrscheinlich auf Dauer schwer haben, gegen diesen stärkeren Reiz anzukommen. Vor kurzem wurde ich auch noch darauf hingewiesen, dass es ja auch zu Manipulationsversuchen von Seiten des dominanten Parts kommen könnte, um Sub von ihrem (seinem?) Partner zu entfernen und an sich zu binden... Das Szenario, das entsteht, wenn sich einer von beiden entgegen aller Regeln verliebt, spare ich jetzt auch mal aus. Wenn ich mir all diese Fakten so ansehe, scheint es mir fast wie ein Wunder, dass es überhaupt Beziehungen gibt, die nach diesem Prinzip funktionieren – kein Wunder, dass die Partnersuche als BDSMler so schwierig ist! Und trotzdem versuchen es so viele Menschen jeden Tag auf's Neue, weil sie es anders einfach nicht aushalten... Die ewige Getriebenheit, die Sehnsucht nach diesem einen speziellen Reiz, nach diesem einen Flug lässt uns immer weiter suchen und dabei ständig neue Grenzen überschreiten – seien es persönliche oder moralische. Ob dieser eine Reiz es wert ist, eine ansonsten funktionierende Beziehung auf's Spiel zu setzen – nun, das muss wohl jeder für sich selbst entscheiden.Definitiv ist ein solcher Weg für mich keine Lösung für Unzufriedenheit in der Beziehung (so denn vorhanden) - und ganz sicher kein Ersatz für eine stabile und liebevolle Partnerschaft!

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